Forat de la Juvea, Catedral del Senderismo

La Catedral del Senderismo – Wanderung auf dem Weg der 6800 Stufen

Annäherung an die Höllenschlucht „Barranc de l´Infern“

Der nachfolgend beschriebene Rundweg gilt als einer der Wander-Klassiker innerhalb der Comunidad Valenciana. Ausgehend von der kleinen Ortschaft Fleix (Vall de Laguar), führt der Weg über unzählige Steinstufen hinab in das (meist) trockene Flussbett des Río Girona. Über Jahrtausende hinweg haben Wasserkraft und Erosion auf ganz faszinierende Weise ihre Spuren in der bergigen Landschaft hinterlassen. Dabei sind Schluchten und ein ganz besonders tief eingeschnittenes Tal entstanden. Der „Barranco del Infierno“ bzw. „Barranc de l´Infern“ (Höllenschlucht), nach dem die Strecke benannt wurde, beeindruckt durch seine Steilwände und bildet auch aus der Ferne betrachtet eine interessante Felsenkulisse.

Historischer Weg entlang der maurischen Stufen.

Die Wanderroute zur Höllenschlucht besitzt mehr als 6000 Stufen aus Stein, die entlang der Berghänge hinauf und hinaub führen. Sie stammen aus maurischer Zeit und erinnern an eine Bevölkerungsgruppe, die einst von den Christen verfolgt und seit dem Jahr 1609 unter der Regentschaft von Felipe III. endgültig aus Spanien vertrieben wurden. Im Bereich des Vall de Laguar, im Norden der spanischen Provinz Alicante, befand sich einer ihrer letzten Zufluchtsorte. Die Mauren waren Meister der Trockensteinbauweise und Bewässerungstechnik. Sie befestigten einst die Berghänge und konstruierten die unendlichen Stufen, die durch die Berge führen. In Erinnerung an ihre Anstrengungen beim Bau der Befestigungen kann man sich einer gedanklichen Zeitreise in das 16. und 17. Jh. widmen.

Das Wandern auf den scheinbar endlosen Stufen durch die wunderschöne Berglandschaft bietet durchaus ein sehr spirituelles Erlebnis. Daher wird die Route auch gern als “La Catedral del Senderismo” (wörtlich übersetzt: „die Kathedrale des Wanderns“) bezeichnet. Wohlmöglich haben nur ganz wenige Wanderer die Stufen komplett gezählt, denn die Angaben zur ihrer Anzahl variieren erheblich. Es wird berichtet, dass es sich insgesamt soger um mehr als 6800 Stufen handeln soll.

Im Herzen der Höllenschlucht befindet sich eine anspruchsvolle Route, die nicht zum Wanderweg gehört und nur erfahrenen Klettersportlern vorbehalten ist. Dieser Bericht soll ausschließlich der markierten Wanderroute gewidmet sein, da die unbefestigten Pisten durch die Schluchten teilweise nur mit Kletterausrüstung machbar sind. Auch mehrere Tage nach Regenfällen kann es abseits des Hauptweges zu gefährlichen Steinschlägen kommen.

PR-CV 147. La Catedral del Senderismo.

Der sehr gut markierte Rundweg ist etwa 14 km lang und verläuft entlang der Wanderroute PR-CV 147. Anhand der Wegweiser aus Holz und der weiß-gelben Wegmarkierungen, die auf den Steinen am Wegesrand aufgemalt worden sind, ist die Orientierung auch ohne Karte gut möglich. Obwohl die Gesamtlänge von 14 km nicht allzu lang erscheint, sollte man die Höhenunterschiede nicht unterschätzen und je nach Kondition etwa fünf Stunden für die Runde einplanen. Während der Wanderung steigen wir auf unzähligen Stufen bergauf und bergab. Fast durchweg bieten sich dabei fantastische Ausblicke in die Schluchten und auf imposante Felswände.

Bei der Wanderung namens “La Catedral del Senderismo” handelt es sich übrigens nicht um eine gewöhnliche Bergroute mit Gipfelbesteigung, sondern vielmehr um eine Umrundung der weitläufigen Schluchten. Die Strecke kombiniert perfekt drei Abstiege in das Flussbett des Río Girona und drei Aufstiege entlang der ausgedehnten Berghänge. Dabei bezaubert sie durch ihre einzigartige landschaftliche Schönheit. Insgesamt sind also drei Steigungen und in Summe mehr als 800 Höhenmeter zu überwinden. Es empfiehlt sich, die Strecke an besonders heißen oder regnerischen Tagen zu meiden. In jedem Fall sollte genügend Wasser, Verpflegung und guter Sonnenschutz im Wandergepäck nicht fehlen. Gemessen am Höhenunterschied kann die Route als mittelschwer eingestuft werden. Die historischen Stufen und Befestigungen aus Stein sind überwiegend gut erhalten und bieten beim Wandern guten Halt. Da die bergige Gegend vom verwitterten Kalkstein geprägt ist, dominieren die typisch-kantigen Formen des Lapiaz.

Start und Ziel der Wanderung im “Herzen der Kirsche”.

Die Gemeinde namens Vall de Laguar besteht aus drei traditionellen Ortschaften.

1. Fleix – das auch “el Poble d´Enmig” bzw. mittleres Dorf genannt wird
2. Benimaurell – das auch “el Poble de Dalt” bzw. hohes Dorf genannt wird
3. Campell – das auch “el Poble de Baix” bzw. niederes Dorf genannt wird

Die drei verträumten Ortschaften liegen im bergigen Norden des Bezirks Marina Alta. Allgemein charakterisiert sich die Gegend durch ihr besonderes Mikroklima, das hervorragend für den Anbau von Kirschen und Mandeln geeignet ist. Im Volksmund wird Vall de Laguar auch als “el corazon de la cereza” bezeichnet – man befindet sich also im “Herzen der Kirsche”. Die landwirtschftlich geprägte Gegend wird von drei Gebirgen umringt. Im Süden des Vall de Laguar erhebt sich die Sierra del Penyó mit ihrem markanten Gipfel Cavall Verd. Im Norden erstreckt sich die weitläufige Sierra de Migdia. In Nordöstlicher Richtung befindet sich die Sierra de la Carrasca. Typisch für die Region sind die mit Steinmauern befestigten Berge, an denen landwirtschaftliche Flächen in Hanglage erschlossen wurden. Darüber hinaus gibt es einige Brunnen, Wasserstellen und Spuren alter Bewässerungstechnik zu entdecken. Heutzutage sind die meisten Felder nicht bewirtschaftet und beherbergen wild wachsende Pflanzenarten, wie zum Bsp. Rosmarin oder Thymian.

Von Fleix zum Felsentor “Forat de la Juvea” und in den “Barranco del Salt”.

Wir starten vom Parkplatz in der Ortschaft Fleix. Zuerst folgen wir ein kurzes Stück der asphaltierten Straße in Richtung Benimaurell, um gleich den ersten Abzweig nach rechts zu nehmen. Hier beginnt der Wanderweg PR-CV 147 und wir sind auch schon der ersten Wasserstelle ganz nah. Es ist die Font Grossa mit einem großen, überdachten Wasserbecken. Im angenehmen Halbschatten lassen wir die Wasserstelle hinter und und biegen erneut rechts ab. An dieser Stelle befinden sich die ersten Stufen aus Stein und es beginnt der Abstieg. Bald erreichen wir das Felsentor namens “Forat de la Juvea”, durch das wir in eine beeindruckende Felsenwelt eintreten. Dabei blicken wir auf steile Wände und steigen entlang der Steinstufen in den „Barranco del Salt“ ab. An Regentagen bildet sich oberhalb der Felswand ein Wasserfall von etwa 60 Metern Höhe. Beim Blick zurück wirkt die Felsenkulisse fast schon etwas märchenhaft.

Flussbett des Río Girona und Aufstieg “Juvees d´Enmig”.

Wir erreichen zum ersten Mal das Flussbett des Río Girona, wo es zahlreiche abgeschliffene Steine zu finden gibt. In der meisten Zeit des Jahres ist das Flussbett trocken. Jedoch zeugen die Steinformen von der Wasserkraft, die an Regentagen die Landschaft formt. In Fleix sind wir in etwa 400 Metern Höhe (über NN) gestartet und befinden uns nun auf einem Niveau von 200 Metern. In der Senke des Flussbettes gibt es zwei Möglichkeiten, um einen kurzen Umweg einzuplanen:

1. Mit einem Abzweig nach links folgen wir der steinigen Pfadspur im Flussbett und erreichen den Beginn der Schlucht sowie einige kleine Wasserstellen. Über Felsblöcke und Trittbügel kann man sich noch etwas bis zur Abseilpiste des Barranco del Infierno vorwagen. Der weitere Weg ist nur mit Kletterausrüstung möglich, weshalb die Rückkehr zum Hauptweg zu empfehlen ist.

2. Mit einem Abzweig nach rechts erreichen wir eine Staumauer aus den Jahr 1945 und den Stausee namens Embalse d´Isbert (danach zurück zum Hauptweg). Die Umwege können zusätzlich unternommen werden und gehören nicht zum markierten Weg.

Es soll nun der erste Aufstieg in Richtung “Juvees d´Enmig” beginnen. Dabei steigen wir den Hang hinauf, durchqueren im Zickzack ein Waldgebiet und erreichen im oberen Teil wieder einen breiteren Weg. Wir befinden uns auf einer landwirtschaftlich geprägten Hochebene mit Feldern und wenigen kleinen Häuschen, wobei sich herrliche Ausblicke auf den geschwungenen Bergrücken der Sierra de la Carrasca bieten.

“Font de Reinós” und Blick in den “Barranc de l´Infern”.

Nun beginnt ein steiniger und leicht luftiger Abschnitt, wobei wir in Richtung der Wasserstelle “Font de Reinós” den Hang hinab steigen. Die kleine Quelle bildet ein lauschiges Plätzchen im Schatten der Nadelbäume, wobei man sich mit dem klaren Gebirgswasser etwas erfrischen kann. Wir steigen weiterhin den Hang hinab, können die Steilwände des „Barranc de l´Infern“ in Augenschein nehmen – und erreichen zum zweiten Mal das steinige Flussbett. Nun sind wir wieder ganz in der Nähe der anspruchsvollen Kletterroute, die durch das tief eingeschnittene Tal verläuft.

Aufstieg in Richtung “Juvees de Dalt”, Benimaurell und Rückweg nach Fleix.

Uns erwartet nun der zweite Aufstieg, der zuerst recht steil den steinigen Hang hinauf führt. Weiter geht es entlang des befestigten Hangs, wobei links und rechts des Weges Felder aus alten Zeiten zu sehen sind. Dabei befinden wir uns im unterem Bereich der Sierra de la Carrasca und folgen dem Hinweis “Juvees de Dalt”. Während des Aufstieges bieten sich die besten Ausblicke in die Höllenschlucht. Unterwegs kommen wir an einem alten Brunnen und einigen Ruinen aus Stein vobei, die an die alten Landwirte der Region erinnern.

Zum dritten und letzten Mal führt uns der Weg bergab zum Flussbett, wobei wir den „Barranco de Racons“ durchqueren. Vor uns erheben sich eindrucksvoll die Berge, die wir mit einem letzten Aufstieg überwinden müssen. Scheinbar unzählige Steinstufen führen den Hang hinauf und wir nähern uns Schritrt für Schritt der Ortschaft Benimaurell. Die Stufen in diesem Abschnitt sind am besten erhalten und definieren den langen Weg, der sich aus der Ferne betrachtet wie eine Schlangenlinie in der weiten Berglandschaft erstreckt. Obwohl der letzte Anstieg der anstrengendste ist, wird die Überwindung der Höhenmeter mit fantastischen Ausblicken belohnt.

Oben angekommen, erreichen wir eine asphaltierte Zufahrtsstraße und können in der Ferne die Häuschen von Benimaurell wahrnehmen. Erneut kommen wir an einer Wasserstelle vorbei, sie heißt „Font dels Olbis“. Im Süden erhebt sich eindrucksvoll der Felsen Cavall Verd. Im Ortskern von Benimaurell bezaubern die traditione Architektur und die kleinen Gassen. Restaurants laden zum Rasten ein. Schließlich folgen wir dem breiten Wanderweg in Richtung Fleix, der vorbei an zahlreichen Feldern und durch eine schöne ländliche Gegend führt. Insgesamt ist es eine intensive Wanderung durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die den Namen „La Catedral del Senderismo“ wirklich verdient hat!

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